Sophie Hunger – 1983

Text: | Ressort: | 11. Oktober 2010

Sophie Hunger hat hier ein in allen Facetten emotionssicheres und perfekt portioniertes Songalbum aufgenommen. Das muss ich wirklich einmal sagen. Insgesamt ist es ja auch schon der dritte Longplayer dieser wahrlichen Ausnahme-Liedbildnerin. Auch auf „1983“ (ihr Geburtsjahr) vereint sie die sexy Unfertigkeit einer Nico in Velvert Underground-Umklammerung mit der selbstbewussten und ebenso sexy Ruffness einer PJ Harvey aus allen Dekaden ihres Schaffens. Dabei bevorzugt sie einen kompositorischen Minimalismus, welcher bei mir eigentlich nur noch selten die Jubelarien-Nerven anregt. Hier allerdings gibt sich jeder  Ton, jede getätigte und per Lyrik ausstaffierte Beobachtung und jede Atmosphärenabgleichung zum übergroßen Kosmos all der historifizierten Singer/Songwriter-Planetoiden als überaus austarierte Notwendigkeit. Zur Wegdividierung jeglicher, nutzloser Schraffurüberfrachtung benötigt Hunger keinen Rechenschieber. Das hier ist einzig und allein Gefühlssache. Im Hörergebnis von „1983“ ergibt eben von mir getätigter Satz mitnichten eine Platitüde. Wir reden von einer so magnetischen Variante entschlackter Wave-Atmungsaktivität, dass man zum Vergleich fast nur das schon außerdisch beseelt anmutende, letztjährige The X-X-Album anführen kann. Und wenn dieses auf die Partikel zentrierte Wave-Kühlwasser dann noch auf eine noch viel weiter zurückreichende Female Song-Balanceakt-Werteskala zwischen Joni Mitchell und Patti Smith gehoben werden kann (und das kann man ohne Probleme), gibt sich auch die letzte, längst sowieso schon gesicherte Waffe als gestreckt. Auch ich lerne eben niemals aus. Ganz tolle Schallplatte!

(Two Gentlemen)

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